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Der schwierige Hund - oder der schwierige Mensch?

Mit mehr als 80 Teilnehmnern waren die 24. Wolfswinkeler Hundetage 2015 deutlich besser besucht als die Veranstaltung im Vorjahr. In diesem Jahr fand die Veranstaltung vom 9. bis zum 11. September im Schützenhaus in Wissen-Schönstein statt. Thema war die Frage, ob es in erster Linie am Menschen oder vielleicht auch am Hund liegt, wenn es in der Mensch-hundebeziehung zu Problemen kommt. Die Resonanz der Besucher auf die Veranstaltung, die Referenten und die Beiträge war durchweg positiv.

Es gab wieder eine Fülle von Informationen aus Forschung und Praxis. Referenten waren in diesem Jahr Debbie Janz, Christoph Schütz, Dr. Udo Gansloßer, Detlef Busse, Dr. Katrin Umlauf, Bettina Mutschler, Mirko Tomasini und Stefan Kirchhoff. Moderiert hatte die Veranstaltung Dirk Roos, der ehrenamtlich wissenschaftlicher Leiter der Trumler-Station ist.

Die Veranstaltung begann am Freitag mit Beiträgen von Debbie Janz und Christoph Schütz. Debbie Janz studiert Tierwissenschaften in den Niederlanden an der Universität Wageningen. Sie systematische Verhaltensbeobachtungen an der neuen Dingo-Gruppe auf der Trumler-Station durchgeführt und ihre Ergebnisse präsentiert.

Christoph Schütz ist Ausbilder für Mensch und Hund und amtlich zugelassener Sachverständiger für Wesenstests, die Sachkundeprüfung und erstellt Gutachten. Er schilderte aus seiner praktischen Arbeit und von einschlägigen Fällen, wo es aufgrund des Umfelds und den familiären Verhältnissen zu Problemen mit dem Hund gekommen ist.

Wissenschaftlich auf höchstem Niveau und sehr anspruchsvoll war der Vortrag von Dr. Udo Gansloßer. Dabei legte er einen Teil seiner Ausführungen auf die gesellschaftlichen Erwartungen, die an Hund und Halter gestellt werden und die zum Teil gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erfüllt werden könnten. „Ein Hund der nur mal knurrt, ist kein Problemhund“, sagt Gansloßer in seinem Vortrag. Man solle sich mal fragen, ob es nicht dafür konkrete Gründe gebe. Das Anspruchsdenken an die Tiere sei so überzogen und fuße auf Unkenntnis dessen, was artgerechtes Verhalten sei. Es sei beispielsweise halt normal, dass ein Hund auch belle. Zum Problem werde das erst, wenn sich Nachbarn gestört fühlten und darauf drängten, dies abzustellen. Gansloßer betonte weiter auch die wichtige Rolle der Prägungs- und Sozialisierungsphase beim jungen Hund. Laufe da einiges schief, sei dies später nur schwer wieder zu korrigieren.

Mit viel Spaß und Vergnügen begann am Samstag der Seminartag mit Detlef Busse. Sein Appell: „Ist Dein Hund nicht in Deinem Herzen, ist Dein Hund auch nicht bei Dir.“ Dazu hatte er Klaus-Bärbel mitgebracht – ein Stofftierhund, mit es mit dem Grundgehorsam einfach nicht klappte. Busse möchte, dass die Halter authentisch sind und sich tatsächlich auf das Tier einlassen. „Wir sagen mit dem Mund oft etwas anderes, als wir mit dem Körper ausdrücken. Dumm nur, dass der Hund das merkt“, so Busse, der nicht nur Berater für Hundehalter ist, sondern auch beruflich 20 Jahre lang die Showarena im Zoo Hannover geleitet hatte.

Das Thema aus sich des Tierschutzes behandelte Dr. Katrin Umlauf. Viele Fälle von vermeidlich schwierigen Hunden landen in den Tierheimen. „Darunter sind auch Fälle, wo ein Hund abgegeben wird, nur weil er sich die Pfoten wundleckt“, so die Verhaltensbiologin, die Leiterin des Tier-, Natur- und Jugendzentrums Weidefeld ist. Sie beschäftigt sich vor allem mit sogenannten Problemhunden und ist zu diesem Thema eine gefragte Ansprechpartnerin für Medienredaktionen. Es gebe natürlich auch immer wieder Fälle von wirklich nicht vermittelbaren Hunden, die den Rest ihres Lebens im Tierheim verbringen müssten und nicht vermittelt werden könnten. In der Regel hänge es ansonsten von den Bemühungen der Halter ab, ob das Zusammenleben funktioniere oder nicht.

Bettina Mutschler hob in ihrem Beitrag die besondere Verantwortung gegenüber den Welpen hervor, um die Grundlagen zu legen für einen souveränen ausgeglichenen Hund. Sie leitet in Freiburg die Mensch-Hund-Schule „TAPS“ und ist Hundeerziehungsberaterin. „Das, was wir dann als „Probleme“ bezeichnen, sind aus Hundesicht meist völlig normale Verhaltensweisen“, so Mutschler, deren Vortrag den Titel hatte „Problemhunde oder Hundeprobleme?“. Mutschler verwies auch darauf, dass es auch Hunde gebe, die nicht als problematisch eingestuft würden, denen aber durch Training geholfen werden müsste, wenn diese beispielsweise signifikant ängstliches Verhalten zeigten und dadurch Stress erleiden.

Bereits sehr oft bei den Wolfswinkeler Hundetagen war Mirko Tomasini. „Wenn das Problem die Lösung ist“, war der Titel seines Referates. Tomasini is Pädagoge und Ausbilder und Gründer einer Spiel- und Umgangsmethode mit dem Hund, die er als "Leitwolftraining" (Leitwolf Training nach Mirko Tomasini) etabliert hat. Tomasini ist zudem Buchautor, bekannt aus Sendungen des WDR, wie "Tiere suchen ein zu Hause", und als Ausbilder für Hundetrainer tätig.

„Der unsichere Hund. Ein Spiegelbild seines unsicheren Besitzers?“ war Thema von Stefan Kirchhoff, der bereits Referent bei den Wolfswinkeler Hundetagen 2015 und 2014 war. Dabei brachte er seine Erfahrungen als hauptberuflicher Mitarbeiter im Tierschutz, im Tuscany Dog Project gemeinsam mit Günther Bloch und seine Studien an den Straßenhunden in Europa mit ein.